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Dürfen wir Ihre Applikation optimieren ? JOT 1998/10 28 Fachartikel ******************************************* 2-K-Dosieranlage für High-Solid-Lacke ******************************************** Eine Münchner Stahlbaufirma hat sich zur Verarbeitung der schweren Korrosionsschutz- Materialien eine neue Misch- und Dosieranlage angeschafft, mit der der Durchsatz erheblich gesteigert werden konnte. Die lösemittelarmen High-Solid-Lacke werden im Heißspritzverfahren appliziert.
Die Firma Maurer & Söhne ist ein Anlagenbaubetrieb mit langjähriger Tradition am Standort München. Die Produktionsflächen von 35000 m2 befinden sich im Stadtgebiet am Frankfurter Ring und sind deshalb sehr teuer. Der Produktionsplatz ist damit beschränkt und muß optimal für den Fertigungsablauf genutzt werden.
Maurer & Söhne produziert im klassischen Stahlbau Brücken und Hallen, hat sich jedoch spezialisiert auf Brückenverbindungen mit Dehnungsfugenausgleich sowie Brükkenlager. Hergestellt werden auch 120 Meter hohe Großschornsteine mit einem Durchmesser von 4,5 Metern, wie sie beispielsweise in Kraftwerken oder Verbrennungsanlagen eingesetzt werden.
Weltweit sind die Produkte des Münchner Stahlbauers auch auf Jahrmärkten zu sehen: Riesenräder, Vergnügungsanlagen mit Doppelloupings oder der „Turm für den freien Fall“ – hier fällt der Besucher aus einer Höhe von mehr als 50 Metern und kommt trotzdem sicher unter an.
Keine Frage, daß bei solchen Volksfestanlagen wie auch bei allen anderen Produkten des Unternehmens in puncto Korrosionsschutz keine Kompromisse gemacht werden können. Um einen hochwertigen Korrosionsschutz zu erreichen und trotzdem umweltfreundlich mit lösemittelarmen Beschichtungsmaterialien zu arbeiten, hat sich die Firma Maurer Anfang letzten Jahres entschlossen, ein 2K-Dosier- und Mischanlagensystem in der neuen Spritzhalle Nr. 12 im Werk München zu installieren. Die Spritzhalle Nr. 12 befindet sich neben der Sandstrahlanlage und hat eine Fläche von 850 m2. Hier werden auf einer Fläche von 180 m2 Brückenlager beschichtet. An einem zweiten Spritzplatz mit einer Grundfläche von 670 m2 erfolgt die Beschichtung von Großteilen, wie beispielsweise Stahlkonstruktionen.
Die Spritzapplikation wird im Airless-Spritzverfahren durchgeführt. Für ein gutes Hallenklima sorgt eine Be- und Entlüftunganlage (Hallenvolumen 8600 m3). Die Luft wird über ein Luftzufuhrsystem an der Decke gleichmäßig in der Halle und im gesamten Spritzbereich verteilt und seitlich mittels Trockenfilter abgesaugt. Die Spritzhalle 12 eignet sich für das kombinierte Spritzen und Lufttrocknen im Temperaturbereich bis 30 °C. Um die Halle optimal auszulasten, sind kurze Trockenzeiten sehr wichtig. Die Beschichtung vor der Umstellung
Die Firma Maurer führte im ersten Halbjahr 1997 umfangreiche Tests mit neuen Beschichtungsmaterialien durch, die im Airless-Heißspritzverfahren appliziert wurden, um die bisherigen Beschichtungsergebnisse zu verbessern. Lösemittelarme Beschichtungsprodukte, angeliefert in Kleingebinden und bestehend aus Stammkomponente und Härter, wurden entsprechend dem Dosierverhältnis handuntermischt und mit konventionellen 1K-Airlesspumpen ohne Materialbewärmung gespritzt. Folgender Beschichtungsaufbau lag zugrunde: O). Schicht 1: 2K-Zinkstaub, 70 µm Trockenfilm O) Schicht 2: 2K-Eisenglimmer Deck 1, 160 µm O) Schicht 3: 2K-Eisenglimmer Deck 2, 160 µm Die Naßfilmschichten von zirka 170 µm (Trockenschichtdicke: 390 µm) erforderten bei Raumtemperatur Trocknungszeiten zwischen 8 und 12 Stunden. Erst danach konnten die Teile gewendet werden, um die zweite Seite ebenfalls zu spritzen.
Das Resultat war, daß der komplette Beschichtungsprozeß teilweise bis zu einer Woche dauerte. Untersuchungen ergaben, daß außerdem das Mischen und Reinien der 1K-Airless-Spritzpumpen sehr viel Zeit in Anspruch nahm; dazu kamen die hohen Kosten für die Entsorgung von angesetzten und nicht verspritzten Beschichtungsstoffen sowie erhebliche Mengen an gebrauchten Reinigungsmitteln, die entsorgt werden mußten.
Der Materiallieferant des Beschichtungsproduktes, die Firma Chemische Industrie Erlangen GmbH, wurde daher beauftragt, einen neuen Beschichtungsaufbau zu entwickeln. Anforderungen an das neue Beschichtungsmaterial Die von der 1K-Farbspritzpumpe handuntermischten Beschichtungsmaterialien sollten in ihrer Qualität wesentlich verbessert werden.
Der Anteil der Lösemittel sollte aus Umweltgründen stark verringert werden, so daß lösemittelarme Beschichtungsprodukte mit einem hohen Festkörperanteil verarbeitet werden. Diese neuen Produkte sollten maschinell von einer 2K-Dosieranlage gefördert, dosiert, gemischt und Airless gespritzt werden. Für Zinkstaubgrund und Eisenglimmer (Deck 1 und Deck 2) sollte eine Härtekomponente rezeptiert werden.
Mit diesen neuen 2K-HS-Beschichtungsmaterialien sollten durch thixotrophe Einstellung in einem Arbeitsgang auch hohe Schichtstärken aufgespritzt werden können. Anhand mehrerer Versuchsreihen wurden die bestmöglichen Einstellungen ermittelt, bei denen Zinkstaubgrund (70 µm trocken) und Eisenglimmer (Deck 1 und Deck 2, jeweils 160 µm trocken) in einem Arbeitsgang mit exakter Durchtrocknung innerhalb weniger Stunden für den 2. Arbeitsgang geeignet sein sollten.
Diese neuen Produkte sollten mit Liefercontainern von der Lackfabrik Chemische Industrie Erlangen zur Firma Maurer & Söhne transportiert werden. Aufgrund des hohen spezifischen Gewichtes des Zinkstaubgrundes mußten zusätzlich Spezial-Container beschafft werden. Durch die Verwendung von Liefercontainern kann auf Kleingebinde (mit Restmengen und Entsorgungskosten) verzichtet werden.
Die neuen Beschichtungsmaterialien sollten im Heiß-Spritz-Verfahren verarbeitet werden können bei Betriebstemperaturen von 40 °C an der Spritzdüse. Sowohl durch die „innere Wärme“ des 2K-Produktes als auch durch die Erwärmung während der Spritzapplikation mittels Materialdurchlauferhitzer und aufgrund der kürzeren Trockenzeit sollte es möglich sein, den nächsten Beschichtungsgang innerhalb von drei bis vier Stunden durchzuführen, um ein Stahlteil in einem Arbeitstag zweimal spritzen zu können.
2K-Dosieranlage und Materialzuführung Um diese neuen hoch viskosen thixotrop eingestellten Beschichtungsmaterialien zu verarbeiten, mußte eine passende Anlagentechnik bestehend aus einer 2K-Dosierund Mischanlage, Pumpeneinrichtungen für die Zuführung der Einzelkomponenten und der erforderlichen Rohrleitungen getestet und eingerichtet werden. In der vorgesehenen Spritzhalle 12 wurden deshalb folgende Komponenten für den Lagerbau installiert: . eine Dosier- und Mischanlage für die zwei Farben Eisenglimmer für den Spritzbereich Großteile . eine 2K-Dosier- und Mischanlage für Zinkstaubgrund und für die nachfolgende Beschichtung . eine 2K-Dosier- und Mischanlage für zwei Farben Eisenglimmer. Die Beschichtungsprodukte werden in 500- Liter-Containern angeliefert und mittels Befüllpumpen in die 1000 l Farbvorratsbehälter umgepumpt.
Die Farbbevorratung ist in einem Farbraum der nebenliegenden Halle 11 eingerichtet, wobei im Farbraum 1 wegen der erhöhten Brandgefahr das Reinigungsmittel und der Härter gelagert werden und im Farbraum 2 die Stammkomponenten, der Zinkstaubgrund und Eisenglimmer Deck 1 und Deck 2. Druckluftbetriebene Zuführpumpen fördern diese Beschichtungsmaterialien über Edelstahlrohrleitungen mit einer Gesamtlänge von 50 m zu den 2K-Dosier- und Mischanlagen. Die 2K-Dosieranlagen befinden sich im Brückenlager- Beschichtungsbereiche unmittelbar neben dem Spritzplatz; die 2KDosieranlagen für die Beschichtung der Großteile sind an der Stirnseite der Halle untergebracht. Im Bereich der Großteile werden die Einzelkomponenten von der Dosieranlage entsprechend ihrer Rezeptur 3,66:1 bei Zinkstaubgrund und 2:1 bei Eisenglimmer Deck 1 / 2 nach Volumen dosiert.
Die dosierten Einzelkomponenten werden erneut über Rohrleitungen von zirka 40 m Länge den Mischstationen zugeführt, welche in der Mitte an der Hallenwand aufgestellt sind. Vor dem Eingang des Mischers ist für jede Einzelkomponente ein Farbdurchlauferhitzer eingerichtet, der die Stammkomponente auf 65 °C und die Härterkomponente auf 55 °C erwärmt. Die erwärmten und somit verflüssigten Einzelkomponenten werden in dem statischen Mischersystem „Kenics“ homogen vermischt und als warmes 2K-Beschichtungsmaterial mit 40 °C Temperatur über ein Spritzschlauch von 25 m im Airless-Spritzverfahren versprüht.
Die Spritzapplikation im Airlessverfahren erfolgt bei einem Druck von 250 bis 300 bar unter Verwen- Mit dieser 2K-Dosieranlage ist eine Dosierung im Verhältnis 2:1 bis 5:1 möglich 32 JOT 1998/10 jeweils die richtige Materialzuführung an der Dosierpumpe Komponente A und die richtige Materialvorwahl für die Farbspritzqualität Deck 1 / Deck 2 am Mischer vorgenommen. Kontrolle der 2K-Dosierund Mischanlage
Die 2K-Dosier- und Mischanlage ist mit einer Materialmangelabsicherung ausgestattet; diese erkennt sowohl bei der Dosierpumpe Komponente A als auch bei Komponente B, ob ordnungsgemäß gefördert und dosiert wird. Fehldosierungen beispielsweise durch Luftblasen, verschmutzte Ventile oder gestörte Materialzuführung werden von der Materialmangelabsicherung erkannt. Diese schaltet die Anlage nach
einem akustischen Vorwarnsignal nach 15 Sekunden ab. Die von den Dosierpumpen geförderten und dosierten Einzelkomponenten werden an jeder Dosierpumpe angezeigt. An jeder Dosierpumpe kann über die Dosierkontrolle durch Ablaufen einer Testmenge unter Betriebsdruck das Volumen oder das Gewicht der geförderten und dosierten Menge manuell kontrolliert werden. Pneumatische Steuerung und Überwachung
Im Arbeitsbereich der Befüllpumpen, welche die Einzelkomponenten vom Liefercontainer in den Farbvorratsbehälter pumpen, kann an einem Schaltschrank mit einer pneumatischen Folgesteuerung die angewählte Befüllpumpe für Härter, Zinkstaubgrund oder Eisenglimmer Deck vorgewählt und gestartet werden. Die Pumpenanschlüsse an den Liefercontainern sind unterschiedlich groß, damit es keine Verwechslung gibt.
Bei Erreichen des maximalen Befüllstandes und Erkennung durch das System erfolgt eine automatische Abschaltung der Befüllpumpe. Gleichzeitig melden ein optisches und ein akustisches Signal, wenn die Behälter voll sind. Während des Befüllvorganges kann die Dosierund Mischanlage weiterbetrieben werden. Der Befüllzustand der Farbbevorratung (Niveau-Max, Niveau- Min, Niveau-Stop) wird im Farbvorratsraum sowie an einem Schaltschrank in der Spritzhalle angezeigt durch ein optisches Signal mit einem akustischen Zusatzsignal. (Die Niveau- Stop-Funktion für die Materialzufuhrpumpe und die 2K-Dosieranlage kann bei Notbetrieb über einen Schlüsselschalter eingeschaltet werden.)
Die Reinigungspumpe wird nur während des Betriebes zugeschaltet. Die 2K-Dosier- und Mischanlage sowie die Hochdruckpumpe wurden wegen der niedrigen Viskosität des Reinigungsmittels mit speziellen Packungspatronen und Ventilen ausgestattet. Die an der Mischstation vorgeschalteten Farbdurchlauferhitzer werden automatisch nur bei Betrieb der 2K-Dosieranlage eingeschaltet; die Temperatur-Einstellwerte sind fixiert und ermöglichen es, das gemischte Material mit einer konstanten Temperatur von zirka 35 °C an der Spritzpistole zu versprühen. Inbetriebnahme der Anlage Die Installation der vorgefertigten und geprüften Baugruppen erfolgte bei der Firma Maurer & Söhne in zirka neun Wochen. Nach Installation der Rohrleitung wurden die Druckproben und Spülungen mit einem passenden Reinigungsmittel vorgenommen.
Das gesamte Pumpensystem, die 2K-Dosieranlage und Materialzuführung der Einzel-Komponenten sowie die Mischer und Spritzeinrichtung wurden umfassend geprüft.
Erst danach erfolgte das Befüllen mit den Einzelkomponenten. Nach sorgfältigem Entlüften des gesamten Materialkreislaufes wurden erste Probespritzungen vorgenommen. Die Ergebnisse wurden begutachtet
und im Labor auf ihre Korrosionsschutzeigenschaften untersucht. Danach erfolgte die Freigabe für die Betriebsapplikation.
***************** Zusammenfassung Die 2K-Dosier- und Mischanlage mit der Materialbevorratung wurde im Februar 1998 für den Betrieb freigegeben. Bereits nach kurzer Betriebszeit konnten die wesentlichen Vorteile dieses neuen Anlagenkonzeptes festgestellt werden. Der Teile-Durchsatz in der Spritzhalle konnte erwartungsgemäß vervielfacht werden. Dies wurde vor allem durch folgende Maßnahmen erreicht: . Die Trockenzeiten pro applizierter Schicht konnten auf zirka drei Stunden verkürzt werden. Dadurch war es möglich . ein Beschichtungsteil morgens an der einen Seite zu spritzen, vormittags die zweite Seite zu spritzen und am Nachmittag die dritte Seite. (Verkürzung der Durchlaufzeiten). . Die Materialbelegung der Spritzhalle und der Abtransport der beschichteten Teile zum Versand kann nun zügig erfolgen. . kein Anmischen der Farbe und Beförderung der angesetzten Farbe per Hand (in den Spritzkannen zu den Spritzpumpen) mehr. Insgesamt ist die Spritzlackiererei im Vergleich zu früher wesentlich leistungsfähiger geworden und stellt keineswegs mehr einen Engpaß innerhalb der Produktion dar. Das Bedienungspersonal hat sich überraschend schnell mit dem Anlagenkonzept vertraut gemacht. Der Anfall an Kleingebinden mit den Nebenarbeiten und das Verarbeiten der Restmengen wurde größtenteils reduziert. Außerdem gibt es weniger Materialverluste aufgrund von Geräteabstimmungen. Insgesamt wurden aufgrund des Einsatzes der lösemittelarmen High- Solid-Materialien die Lösemittel- Emissionen reduziert. Da Container „von Haus zu Haus“ verwendet werden, fällt auch weniger Abfall an. Der Betreiber erwartet, daß sich die Investition in die neue 2K-Dosierund Mischanlage in zwei Jahren amortisiert hat. Der Autor: Otto Schiemann, MGV-Moest- Spritzgeräte GmbH, Landsberg/Lech |
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